Pastoralteam -
Pfarrer Heinz-Martin Zipfel
Pfarrer
Heinz-Martin-Zipfel verlässt Fellbach
Pfarrer Heinz-Martin Zipfel verlässt nach fast 20 Jahren die Stadt. Sein Weg
führt ihn von Fellbach in die Stuttgarter Vororte Freiberg, Rot und Mönchfeld.
„Mich bewegt innerlich der Gedanke, was ich zurücklasse, und die Vorfreude auf
die neuen Aufgaben."

Sein Büro im Pfarrhaus der katholischen Kirchengemeinde St. Johannes leert sich zusehends, während sich die Umzugskartons füllen. Der Blick des 51-jährigen Seelsorgers geht nach vorne. Er wollte den Wechsel, aber ganz unbelastet geht er nicht von dannen. Pfarrer Zipfel sorgt sich um Fellbach. Als er vor gut einem Jahr seinen Abschied ankündigte, sah die Situation noch anders aus. Doch jetzt ist von ehemals drei katholischen Pfarrern in Fellbach bald nur noch einer übrig. Pfarrer Gerhard Nisch steht Pfarrer Amedeus Macha aus Tansania zur Seite. Er ist von der Diözese Rottenburg zur Überbrückung nach Fellbach entsandt worden. Für wie lange, ist ungewiss. Die zwei Pfarrstellen sind bereits seit Frühjahr 2007 ausgeschrieben, doch potenzielle Kandidaten gibt es bislang keine. „Ich bin besorgt. Die Größe der Aufgabe schreckt wohl ab", sagt Pfarrer Heinz-Martin Zipfel. Statt die Größe zu fürchten, hofft er auf Kollegen, welche wie er die Vielfalt der kirchlichen Tätigkeit in gesellschaftlichen, pädagogischen und sozialen Bereichen als spannende Aufgabe sehen. Die Situation in Fellbach könne jedenfalls nicht mehr lange gut gehen, weil „Bereiche, die nicht zum innersten Kern der Kirche gehören, brachliegen, vor allem die sozialen Bereiche". Dabei gehe es in der kirchlichen Arbeit nicht nur darum, die Kerngeschäfte zu beackern, sondern das Kernanliegen der Kirche.
Zurzeit befindet sich Heinz-Martin Zipfel in einem Schwebezustand zwischen seinem alten und neuen Leben. Fellbach und die Stuttgarter Ortsteile liegen nur wenige Kilometer voneinander entfernt. „Rom ond nom gucke" könne man, sagt Pfarrer Zipfel, und, doch liegen Welten dazwischen. Zum einen, weil er das heimelige Pfarrhaus mit einer Wohnung im fünften Stock des Apollo-Hochhauses oberhalb des Max-Eyth-Sees tauscht: „Mit einer Aussicht von der Teck bis ins Remstal."

Und mit einem Vertrauten im Haus. Sein Vorgänger, der den Kirchenbezirk 29 Jahre betreute, wohnt unter ihm. „Er steht mir mit Rat und Tat zur Seite." Neben der neuen Aussicht erwarten Pfarrer Zipfel andere Strukturen. In der Stadt am Fuß des Kappelbergs ist die Kirchengemeinde, in der Pfarrer Zipfel seinen Dienst leistete, altersmä- ßig durchmischt, wie es in einer gewachsenen Gesellschaft üblich ist. Die Hochhäuser in den Stuttgarter Stadtteilen wurden alle ziemlich zeitgleich in den fünfziger Jahren gebaut und zumeist von Heimatvertriebenen bezogen. „Viele Gegenden dort sind überaltert, andere zurzeit im Umbruch, weil die Alten sterben und neue Familien einziehen, viele davon Russlanddeutsche."

Um fast die Hälfte kleiner als in Fellbach mit seinen 14000 Katholiken ist die Schar seiner Schäfchen in der Großstadt, die er allerdings allein, nur mit Hilfe von zwei pastoralen Mitarbeitern betreut. „Es sind zusammen etwa 7500 Gemeindemitglieder." Pfarrer Zipfel erwartet, dass er an seiner neuen Wirkungsstätte vermehrt mit sozialen Konflikten, Arbeitslosigkeit, Drogen und Gewalt konfrontiert wird. Die Kirchengemeinde in Freiberg sei an der Mobilen Jugendarbeit beteiligt, während es in Rot gar nicht mehr viele Jugendliche gebe. Der Geistliche freut sich auf die Arbeit mit diesen Menschen. „Ich wollte in die Großstadt, weil das der Lebenswirklichkeit der meisten Menschen entspricht. "Und ich will versuchen, auch Schönes in diese Stadtteile hineinzutragen." Vorfreude und Sorge halten sich in seinem Innersten die Waage. Pfarrer Zipfel ist sich dennoch gewiss, den richtigen Zeitpunkt für einen Wechsel ausgewählt zu haben. „Noch einmal neu anzufangen, ist für mich eine Bereicherung." Bevor er die neue Chance ergreift, gönnt sich der Seelsorger einen seiner geliebten Wanderurlaube. Doch zuvor wird er am Samstag von seiner Fellbacher Gemeinde verabschiedet. Büro und Wohnung in Fellbach werden immer leerer. Am Sonntag kommt der Umzugswagen vorgefahren. „Meine Geschwister helfen mir", sagt Pfarrer Heinz-Martin Zipfel. Er will sich in seinem neuen Zuhause im Apollo-Hochhaus einrichten und dann wandern gehen: „Um den Köpf freizubekommen. Abstand zu gewinnen und mich auf meinen Dienstantritt am 25. Mai vorzubereiten."
INFO: Pfarrer Heinz-Martin Zipfel wird am
Samstag, 19. April, verabschiedet. Die Feier beginnt um 17 Uhr mit einem Empfang
im Rathaus. Um 18.15 Uhr beginnt die festliche Eucharistiefeier in der Kirche
St. Johannes mit anschließender Begegnung im Franziskusheim.
Bericht aus der Fellbacher Zeitung 15. April 2008 von Eva
Herschmann
